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Verbandsmitteilungen

Jahresumfrage 2026

Aktuelle Jahresumfrage der Thüringer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände zur wirtschaftlichen Lage

Thüringer Wirtschaft stagniert seit drei Jahren – Unternehmen warnen vor Substanzverlust

In der heutigen Jahrespressekonferenz stellte der VWT die IWT-Jahresumfrage zur Entwicklung der Thüringer Wirtschaft sowie zur Leistungsbereitschaft und Motivation den Medien vor.

Die Ergebnisse der heute vorgestellten Jahresumfrage zur wirtschaftlichen Lage der Thüringer Wirtschaft senden ein deutliches Warnsignal: Die Wirtschaft des Freistaates stagniert seit mehr als drei Jahren. Seit 2023 kommt es kaum zu Wachstum, Investitionen werden verschoben, die Unsicherheit in den Unternehmen nimmt zu. „Die Thüringer Wirtschaft tritt seit drei Jahren auf der Stelle. Das ist kein konjunktureller Ausrutscher mehr, sondern ein strukturelles Problem“, erklärt Dr. Matthias Kreft, VWT-Hauptgeschäftsführer. „Wenn wir jetzt nicht konsequent gegensteuern, droht ein schleichender Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Arbeitsplätzen“. Rund 50 Prozent der befragten Unternehmen berichten für das zweite Halbjahr 2025 von einer gleichbleibenden Entwicklung bei Aufträgen, Erträgen und Beschäftigung. Knapp 40 Prozent verzeichnen rückläufige Tendenzen, lediglich rund 10 Prozent melden Wachstum. Dynamik und Investitionsbereitschaft bleiben damit die Ausnahme.

 

Jahrespressekonferenz der Thüringer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände am 06.02.2026 in Erfurt

 

Produzierendes Gewerbe besonders betroffen

Besonders angespannt ist die Lage im produzierenden Gewerbe. Über 65 Prozent der Unternehmen melden eine gleichbleibende oder sinkende Produktionsentwicklung. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung liegt mit knapp 74 Prozent deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. „Dass Produktionskapazitäten vorhanden sind, aber nicht ausgelastet werden, ist ein klares Alarmsignal. Unausgelastete Kapazitäten bedeuten fehlende Aufträge, fehlende Investitionen – und mittelfristig auch fehlende Arbeitsplätze“, so Dr. Matthias Kreft.

 

Auftragslage trügt – Unsicherheit bleibt hoch

Zwar liegt die durchschnittliche Auftragsreichweite mit acht Monaten leicht über dem Vorjahreswert, doch dieser Wert verschleiert die Realität vieler Betriebe: Die Hälfte der Unternehmen verfügt lediglich über Aufträge für maximal drei Monate. „Diese Unsicherheit zwingt viele Unternehmen zu einer defensiven Strategie“, betont Kreft. „Investitionen werden nicht aus Mangel an Ideen zurückgestellt, sondern aus Sorge vor weiteren wirtschaftlichen Verwerfungen.“

 

 

Bürokratie und Fachkräftemangel als zentrale Risiken

Als größte Belastung nennen die Unternehmen weiterhin die ausufernde Bürokratie. Lange Genehmigungsverfahren, steigende Berichtspflichten und immer komplexere Regelungen binden Ressourcen, die für Innovation und Wachstum fehlen. Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel eines der größten langfristigen Risiken – trotz konjunktureller Schwäche. Fast jedes zweite Unternehmen zweifelt daran, seinen Fachkräftebedarf in den kommenden fünf Jahren decken zu können. „Der Fachkräftemangel bleibt trotz Rezession Thema – auch in Zukunft. Die demografische Entwicklung trifft viele Betriebe mit voller Wucht. Wenn wir hier nicht handeln, verschärft sich das Problem in den nächsten Jahren dramatisch.“, sagt Kreft.

 

Verhaltener Ausblick und wachsende Ausbildungsprobleme

Der Blick auf das erste Halbjahr 2026 bleibt von Zurückhaltung geprägt. Rund 50 Prozent der Unternehmen erwarten keine Veränderung, bis zu 35 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung. Neueinstellungen bleiben selten, Personalanpassungen erfolgen überwiegend über natürliche Fluktuation. Besonders kritisch ist die Situation in der Ausbildung: In manchen Branchen bleibt bereits jeder dritte Ausbildungsplatz unbesetzt. Ursache ist nicht mangelnde Ausbildungsbereitschaft, sondern fehlende geeignete Bewerberinnen und Bewerber. „Viele Unternehmen bilden trotz aller Schwierigkeiten weiter aus, weil sie wissen: Ohne eigenen Nachwuchs gibt es keine Zukunft“, resümiert VWT-Hauptgeschäftsführer Dr. Mattias Kreft.

 

Jahrespressekonferenz der Thüringer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände am 06.02.2026 in Erfurt

 

Klare Forderungen an die Politik

Aus Sicht der Unternehmen ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag. Gefordert werden insbesondere ein konsequenter Bürokratieabbau, eine aktive Fachkräfte- und Bildungspolitik, wettbewerbsfähige Energiepreise, verlässliche Investitionsanreize sowie ein intensiver Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. „Die Unternehmen in Thüringen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und zu investieren. Jetzt braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen für Wachstum – vor allem aus Brüssel und Berlin. Stillstand können wir uns nicht länger leisten“, fasst Kreft zusammen.

 

Die Ergebnisse der Jahresumfrage zur wirtschaftlichen Entwicklung in Thüringen präsentierte VWT-Präsident Hartmut Koch:

https://vwt.de/jahresumfrage-2026-teil-1

 

Die komplette Befragung finden Sie hier:

https://vwt.de/wp-content/uploads/2026/02/JU-2026.pdf

 

 

Dr. Ute Zacharias
Verbandssprecherin
T 0361 6759-153
M 0173 8899743

VWT

Lossiusstraße 1
99094 Erfurt

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