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Verbandsmitteilungen

Jahresumfrage 2026

Leistung entfaltet sich durch gute Führung, Kultur und klare Anreize

Neue Jahresumfrage der Thüringer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände zeigt: Große Zustimmung zum Leistungsprinzip, aber wachsende Zweifel an Anerkennung, Motivation und Rahmenbedingungen

In der heutigen Jahrespressekonferenz stellte der VWT die IWT-Jahresumfrage zur Entwicklung der Thüringer Wirtschaft sowie zur Leistungsbereitschaft und Motivation den Medien vor.

Leistung und Leistungsbereitschaft prägen seit Langem den öffentlichen Diskurs – häufig emotional und polarisierend. „Leistung ist ein starkes Wort. Es steht für Engagement, Verantwortung und den Wunsch, etwas zu bewegen – wird aber zunehmend auch zum Streitbegriff“, betont VWT-Präsident Hartmut Koch. Erstmals haben die Verbände das Thema systematisch und aus mehreren Perspektiven untersucht. Im Mittelpunkt der aktuellen Jahresumfrage standen Leistung, Motivation und Leistungsbereitschaft in Unternehmen. Befragt wurden sowohl Entscheidungsträger in Betrieben als auch Beschäftigte. Ergänzend hat das INSA-Institut die Thüringer Bevölkerung repräsentativ zur Einstellung gegenüber Leistung befragt.

 

Jahrespressekonferenz der Thüringer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände am 06.02.2026 in Erfurt

 

Das Ergebnis ist eindeutig: 91 Prozent der Thüringerinnen und Thüringer sind überzeugt, dass sich Leistung lohnen muss. „Dieses klare Bekenntnis zieht sich durch alle Bevölkerungsgruppen – Leistung verbindet, statt zu spalten“, so Koch. Doch der Blick auf die persönliche Erfahrung offenbart eine deutliche Kluft: Nur gut jeder Zweite (52 Prozent) erlebt, dass sich Leistung tatsächlich lohnt, während 38 Prozent die gegenteilige Erfahrung gemacht haben. „Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine Lücke, die wir ernst nehmen müssen“, erklärt VWT-Präsident Koch. Besonders ausgeprägt ist diese Skepsis bei Männern sowie bei Menschen in ländlichen Regionen. Auch unter Erwerbstätigen zeigt sich ein ambivalentes Bild: Zwar fühlt sich rund die Hälfte ausreichend anerkannt, 42 Prozent sehen ihre Arbeitsleistung jedoch nicht angemessen gewürdigt – insbesondere Beschäftigte außerhalb der Städte. „Wer sich anstrengt, will gesehen werden – fehlende Anerkennung wirkt wie eine stille Bremse“, bringt es Hartmut Koch auf den Punkt.

Die Jahresumfrage der Arbeitgeber verdeutlicht zudem: Leistung wird heute deutlich breiter verstanden als reine Kennzahlen. Unternehmen betrachten Leistung aus drei Perspektiven – die individuelle und teambezogene Leistung der Beschäftigten, die Leistung des Unternehmens für Kunden und Mitarbeitende sowie den Beitrag zur Gesellschaft, etwa durch regionale Wertschöpfung und Verantwortung. „Leistung ist mehr als Umsatz und Gewinn – sie zeigt sich in Qualität, Verlässlichkeit und Engagement“, so ein Unternehmerstatement aus der Befragung. Qualität, Kundenzufriedenheit und Einsatzbereitschaft stehen klar vor rein finanziellen Größen.

Gleichzeitig stimmt die Entwicklung der Leistungsbereitschaft nachdenklich. Mehr als ein Drittel der Unternehmen nimmt eine abnehmende Leistungsbereitschaft wahr, während kaum jemand von einer Zunahme berichtet. „Die Frage ist nicht, ob Menschen leistungsbereit sind, sondern wofür und in welchem Umfeld sie Leistung erbringen sollen“, ist eine zentrale Schlussfolgerung der Studie, so Koch.

 

 

Der wichtigste Faktor bleibt das Einkommen. 96 Prozent der Befragten nennen finanzielle Sicherheit, gefolgt von auskömmlichem Einkommen und Altersvorsorge als entscheidende Motive. „Gute Arbeit braucht ein verlässliches Auskommen – das ist keine Überraschung, sondern eine klare Erwartung“, macht Koch deutlich. Doch auch Sinn in der Arbeit, Teamzusammenhalt und persönliches Wohlbefinden spielen eine wichtige Rolle. Auffällig ist ein scheinbarer Widerspruch: Obwohl finanzielle Motive dominieren, gelten nicht-finanzielle Instrumente als besonders wirksam zur Förderung von Leistungsbereitschaft.

 

„Anerkennung kostet wenig, wirkt aber viel. Lob und Wertschätzung, regelmäßige Feedbackgespräche,

Weiterbildung, moderne Ausstattung und flexible Arbeitsformen stehen deutlich vor leistungsbezogener Vergütung“

Hartmut Koch, VWT-Präsident

 

Bei der Motivation zeigt sich ein differenziertes Bild. Während die Grundmotivation überwiegend als stabil eingeschätzt wird, nehmen die Ansprüche der Beschäftigten deutlich zu. Gleichzeitig bewerten viele Unternehmen Innovationsbereitschaft, Erfindergeist und gesellschaftliche Verantwortung als rückläufig. „Das ist ein Warnsignal – für Unternehmen ebenso wie für Politik und Gesellschaft“, mahnt Koch mit Blick auf die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit des Standorts Thüringen.

Als größte Herausforderungen nennen die Unternehmen die individuelle Motivation und die Messbarkeit von Leistung, betriebliche Rahmenbedingungen wie technische Ausstattung sowie gesellschaftliche und politische Faktoren – etwa Bürokratie, Regulierung und Anreizsysteme. Der Blick nach vorn ist dennoch eindeutig: Gute Führung, eine tragfähige Unternehmenskultur, faire finanzielle Anreize, moderne Arbeitsbedingungen, Weiterbildung und klare Ziele gelten als zentrale Hebel zur Stärkung von Leistung. Ergänzend braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen, eine positive Grundstimmung und spürbaren Bürokratieabbau. „Leistung entsteht dort, wo Vertrauen, Klarheit und Perspektiven zusammenkommen“, fasst Koch zusammen.

Auch der gesellschaftliche Beitrag der Unternehmen ist den Befragten bewusst: Besonders hervorgehoben werden die Stärkung der Region und des Standorts, Kundenzufriedenheit sowie Steuer- und Sozialabgaben und gesellschaftliches Engagement. „Unternehmen sind nicht nur Arbeitgeber, sondern tragende Säulen des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Dessen sind wir uns bewusst“, so Koch.

 

Jahrespressekonferenz der Thüringer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände am 06.02.2026 in Erfurt

 

Fazit:

Leistung entsteht im Zusammenspiel von Motivation, Anerkennung und passenden Rahmenbedingungen. Unternehmen leisten bereits einen wichtigen Beitrag – doch um Leistungsbereitschaft langfristig zu sichern, braucht es neben betrieblichen Maßnahmen auch politische und gesellschaftliche Unterstützung. „Leistung muss sich lohnen – spürbar, fair und verlässlich“, so das abschließende Signal der Thüringer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände.

 

Die Ergebnisse der Jahresumfrage zur wirtschaftlichen Entwicklung in Thüringen präsentierte VWT-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Kreft:

https://vwt.de/jahresumfrage-2026-teil-2

 

Die komplette Befragung finden Sie hier:

https://vwt.de/wp-content/uploads/2026/02/JU-2026.pdf

 

Dr. Ute Zacharias
Verbandssprecherin
T 0361 6759-153
M 0173 8899743

VWT

Lossiusstraße 1
99094 Erfurt

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