TIBOR treibt Wasserstofftechnologien in Ausbildung voran
Wie gelingt es, Aus- und Weiterbildung in Wasserstofftechnologien zu optimieren und möglichst viele Schüler, Lehrer, Unternehmen und Einrichtungen zu erreichen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der „Abschlusskonferenz – Ausbildung in Wasserstofftechnologien – EH2TA“ am 29. Oktober 2026.
Im Nachbarland Tschechien kam vor Jahren und damit sehr früh die Idee auf, Wasserstoff als nachhaltige Zukunftstechnologie im Alltag zu etablieren. Die Entwicklungen in Deutschland und Thüringen in den letzten Jahren wurden damit ein Stück weit vorweggenommen. Die tschechischen Spezialisten setzten ihren Fokus sehr früh auf eine transformative Bildung, genauer die Frage: Wie können wir junge Leute auf eine moderne Ausbildung in Wasserstofftechnologien vorbereiten?
Europäisches Bildungsprojekt schafft neue Lernangebote
Die TIBOR GmbH aus Weimar ist als Aus- und Fortbildungsunternehmen seit 35 Jahren am Markt und neben Integrationsprojekten und Projekten zur Fachkräftegewinnung seit vielen Jahren auch in europäischen Projekten aktiv, wie beispielsweise im ERASMUS-plus-Projekt EH2TA mit den Partnern aus Tschechien. Entstanden ist daraus über die Jahre eine Sammlung von Lehr- und Lernmaterialen, zu denen E-Learning-Inhalte bis hin zum interaktiven Lernspiel auf der Lernplattform Moodle gehören. Diese können von Lehrern und Schülern nach Anmeldung genutzt werden. Damit wurde eine breite Basis für die Ausbildung in Wasserstofftechnologien geschaffen. Hartmut Koch, Geschäftsführer der TIBOR GmbH, hob hervor, dass die Einstellungen von Unternehmen und Einrichtungen gegenüber diesen Technologien zu verbessern sind, um sie für die Nutzung zu gewinnen. „Auch wenn wir mit dem Projekt schon viel erreichen konnten, müssen wir die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Praxispartnern weiterentwickeln und die Ausbildung voranbringen“, sagte Koch.

Wasserstoff als Chance für Thüringens Industrie
Einen Einblick in Strategie und Ziele der Landesregierung zum Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Thüringen gab Dr. Ralf Engelmann, Referatsleiter Grundsatzreferat, Energiepolitik und Energierecht im Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten. „Wasserstoff kann zur Dekarbonisierung der Industrie, zur Versorgungssicherheit und zur Bereitstellung flexibler Kraftwerkskapazitäten beitragen“, erläuterte Dr. Engelmann. „Der Aufbau der H2-Wirtschaft bietet Chancen für regionale Wertschöpfung, Innovationen und die langfristige Sicherung von Industriearbeitsplätzen“, so Engelmann weiter.

Moderne Bildungsangebote aus europäischer Zusammenarbeit
Romana Štádlerová aus Prag stellte das Projekt „EH2TA2 – Education in Hydrogen Technologies Area 2“ vor und gab Einblicke in die entwickelten Bildungsangebote für unterschiedliche Bildungsgrade. Zusammen mit ihren tschechischen Kollegen Blanka Hvozdová aus Chomutov und Michal Dian aus Sokolnice stand sie für Fragen in der Diskussionsrunde zur Verfügung; alle drei gaben hilfreiche Hinweise für die Umsetzung. Rückfragen, etwa zum Lernspiel, wurden einladend beantwortet.

Erfahrungen aus der Praxis – Bereichsleiter der Stadtwirtschaft Weimar GmbH berichtet
Mit „Wasserstoff in der Praxis: Qualifizierung und Betriebserfahrungen“ beleuchtete Silvio Brückner, Bereichsleiter Werkstatt bei der Stadtwirtschaft Weimar GmbH (SWG), seine Erfahrungen und untermauerte die zunehmende Praxisrelevanz. „2022 gab es zur Vorbereitung des Wasserstoffbetriebs nur sehr wenige geeignete Qualifizierungsangebote“, wie er betonte. Erst ab Februar bis März 2023 absolvierten drei Mitarbeitende der SWG die IHK-Qualifizierung „Fachexperte für Wasserstoffanwendungen“. Die Schulung vermittelte Grundlagen, wie Chemie, und sicherheitsrelevantes Wissen. Nach Auslieferung der Wasserstofffahrzeuge im Jahr 2023 wurden die Mitarbeitenden von der Herstellerfirma Solaris praxisnah geschult, indem technische Fahrzeug- und Komponentenkenntnisse vermittelt wurden. Seit 2024 stehen deutlich mehr Schulungsangebote zur Verfügung. „Die SWG integrierte Wasserstoffgrundlagen in ihre Ausbildung. Unsere Wasserstofffahrzeuge sind inzwischen im Werksalltag etabliert und werden nicht mehr als Exoten wahrgenommen. Insgesamt 65 Tonnen grüner Wasserstoff wurden seit 2023 eingesetzt. Wartung, Service und Reparaturen erfolgen bereits in der eigenen H2-Werkstatt“, erläuterte Brückner.

IWT stärkt Vernetzung zwischen Bildung und Wirtschaft
Das Institut der Wirtschaft Thüringens (IWT) unterstützte das ERASMUS-Projekt in der Organisation von Praxisaustauschen, Kommunikation und Vernetzung. Ziel war es, Vertreter der Wirtschaft für die entwickelten Bildungs- und Qualifizierungsangebote im Bereich Wasserstofftechnologien zu sensibilisieren und den Austausch über Bedarfe zu fördern. Die Bildungsangebote finden vermehrt Interesse bei Vertretern aus Landeseinrichtungen, Schulen, Berufsschulen und Unternehmen.
Isabel Halbauer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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