Mo-Do: 8-17 Uhr, Fr: 8-15 Uhr
Verbandsmitteilungen

IWT feiert 25-jähriges Bestehen mit hochkarätigem Fachkolloquium

Wo entsteht Wertschöpfung? Und was sind die Grundlagen, damit auch künftig Wertschöpfung in Thüringen und Deutschland entsteht? Genau diesen Fragen ging das IWT - Institut der Wirtschaft Thüringens anlässlich seines 25-jährigen Bestehens auf den Grund.

Seit einem Vierteljahrhundert beschäftigt sich das IWT mit der wirtschaftlichen Entwicklung Thüringens. Das Institut der Thüringer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände mit Sitz in Erfurt erstellt Analysen und Umfragen, begleitet Projekte und organisiert Veranstaltungen. Auftraggeber sind unter anderem Verbände, EU, Bund und Land sowie wirtschaftsnahe Einrichtungen. Im Mittelpunkt steht dabei stets die Frage, wie sich der Wirtschafts- und Industriestandort Thüringen weiterentwickeln lässt.

Beim Fachkolloquium am Freitag, den 25. September 2026, diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Statistik über Wachstum, Innovation, Digitalisierung und den Strukturwandel. Das Programm führte die Gäste von der gesamtwirtschaftlichen Lage bis hin zu konkreten Einblicken in die regionale Industriepraxis.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung überreichte Jana Pfalzgraf, Referentin der IHK Erfurt, eine Ehrenurkunde zum 25-jährigen Firmenjubiläum an die IWT GmbH, die Dr. Enrico Schöbel als Geschäftsführer für das gesamte Team entgegennahm.

 

Jana Pfalzgraf, IHK Erfurt, überreicht eine Ehrenurkunde zum 25-jährigen Firmenjubiläum an die IWT GmbH, an Dr. Enrico Schöbel, Geschäftsführer des Instituts

 

„Bei einer seit Jahrzehnten und auch weiterhin schrumpfenden Bevölkerung in Thüringen kann Wachstum des Bruttoinlandsprodukts nicht aus Bevölkerungswachstum kommen“, sagt Dr. Enrico Schöbel. Entscheidend seien deshalb andere Faktoren: Investitionen in Gebäude, Maschinen und technische Anlagen sowie eine höhere Produktivität. „Produktivitätssteigerungen, also mehr Ergebnis mit weniger Einsatz, haben wesentlich zum Anstieg des BIP in den letzten Jahrzehnten beigetragen“, so Schöbel. Hinzu kommen neue Güter und Qualitäten von Gütern, die nicht mehr dieselben sind wie vor Jahrzehnten, zum Beispiel Auto, Telefon, Waschmaschine und Computer.

 

Industrie bleibt entscheidender Wirtschaftsfaktor

Gerade für Thüringen spielt die Industrie eine wichtige Rolle. Viele kleine und mittelständische Unternehmen mit spezialisierten Produkten und innovativen Produktionsverfahren prägen den Wirtschaftsstandort. Gleichzeitig trägt die Industrie im Freistaat im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich zur Wertschöpfung bei.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre gibt jedoch Anlass zur Sorge. In Teilen des Verarbeitenden Gewerbes sind Umsätze, Investitionen und Beschäftigung zurückgegangen. Besonders deutlich zeigen sich die Veränderungen in der Metall- und Elektroindustrie.

„Deutschland im Industrialisierungsschock“ – Wie unter diesen Bedingungen künftig neue Wertschöpfung entstehen kann, beleuchtete Prof. Dr. Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln im ersten Vortrag des Tages. „Wir befinden uns in der längsten Stagnationsphase seit Ende des Zweiten Weltkrieges“, so Grömling. Deutschland komme durch diese sehr hartnäckige Industriekrise nicht aus der Schockstarre und ist vom internationalen Warenaustausch zunehmend abgehängt. Notwendig wären drei Prozent BIP-Wachstum, um bis 2030 auf den Pfad vor Corona zu kommen. Es wird aber viel zu wenig in neue Technologien investiert. Staatliche Investitionen gleichen die fehlenden privaten nicht aus. Degrowth ist keine Lösung, wie Grömling erörterte, denn 84 Millionen Deutsche wollen frei konsumieren und dabei auf neue Waren und Dienstleistungen nicht verzichten.

 

Prof. Dr. Michael Grömling, Leiter Forschungsgruppe Makroökonomie und Konjunktur, Institut der deutschen Wirtschaft Köln

 

Diese kommen vom Weltmarkt und zunehmend nicht mehr aus Deutschland, wie Prof. Dr. Uwe Cantner von der Friedrich-Schiller-Universität Jena darlegt. Neue bahnbrechende Schlüsseltechnologien wie KI ziehen weitere Innovationen nach. Das gelinge in vielen Ländern, insbesondere Südkorea und Japan, um ein Vielfaches besser als in Deutschland, so Cantner. „Deutschland hat seine Stärken bei neuesten Fertigungstechnologien, Photonik, neuen Werkstoffen und in den Lebenswissenschaften. Bei den digitalen Schlüsseltechnologien wie KI können deutsche Innovationen nur noch aufsetzen“, so Cantner weiter. Er sieht die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft vor einer gewaltigen strukturellen Transformation.

 

Prof. Dr. Uwe Cantner; Geschäftsführender Direktor, Schumpeter-Zentrum; Friedrich-Schiller-Universität Jena

 

Wie aussagekräftig sind die Zahlen?

Doch wirtschaftliche Entwicklungen lassen sich nur beurteilen, wenn verlässliche Daten verfügbar sind. Auch deshalb ist die Statistik ein Thema des Kolloquiums. Daniel Mroß vom Thüringer Landesamt für Statistik erläuterte Veränderungen, die sich durch die neue EU-Unternehmensstatistik ergeben. Bei den Berichtspflichten soll entlastet werden, auch durch Einsatz neuer statistischer Methoden.

 

Daniel Mroß; Abteilungsleiter Wirtschaft, Staat, Umwelt; Thüringer Landesamt für Statistik

 

„Bei all dem dürfen die regionalen Bedarfe an Thüringer Zahlen nicht aus den Augen geraten“, sagt Schöbel. „Es gibt ein großes und breites Interesse, die Vielfalt der Thüringer Wirtschaft und die regionalen Unterschiede in Zahlen abzubilden.“

Es folgte Dr. Cornelius Plaul vom imreg Institut für Mittelstands- und Regionalentwicklung in Dresden zu den Wirtschaftsstrukturen in Ost- und Westdeutschland mit seinem Vortrag „It’s the size, stupid!“. Anhand der vorliegenden Zahlen bestätigte er, dass es sehr wohl darauf ankomme, wo eine Tätigkeit ausgeübt wird, und dass die Betriebsgröße für die Wertschöpfung relevant ist, weil bei größeren Firmen die Wertschöpfung deutlich höher ausfalle.

 

v. l.: Dr. Cornelius Plaul, Referent Volkswirtschaft, Institut für Mittelstands- und Regionalentwicklung GmbH - imreg, Dresden und Dr. Enrico Schöbel

 

Wie unterschiedlich Wertschöpfung innerhalb Thüringens aussehen kann, zeigte Annette Theil-Deininger von der Zweckverbandssparkasse Rhön-Rennsteig am Beispiel der Industrieregion Südthüringen. „Wir haben viele kleine Betriebe und zu wenig Nachwuchs, ein enormes Demografie-Problem. Dadurch wachsen Unternehmen nicht so, wie sie sollten“, so Theil-Deininger.

 

Annette Theil-Deininger, Vorstandsvorsitzende Zweckverbandssparkasse Rhön-Rennsteig, Meiningen

 

Lars Kroemer und Nikita Franz von GESAMTMETALL – dem Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie e. V. – nahmen schließlich den Strukturwandel in der Metall- und Elektroindustrie genauer in den Blick, die seit drei Jahren schrumpft und monatlich rund 10.000 Beschäftigte in Deutschland verliert. Diese Entwicklung wird durch staatliche Investitionen, Konsumausgaben und Schuldenpakete nicht aufgewogen. Nikita Franz beleuchtete sehr eindrucksvoll, wie gewaltig sich die Arbeit mit den statistischen Daten durch Automatisierung verändert hat.

 

Lars Kroemer; Abteilung Volkswirtschaft und Statistik; Gesamtmetall - Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie e. V., Berlin

 

Digitalisierung verändert die Wertschöpfung

Ein wesentlicher Treiber des strukturellen Wandels ist die Digitalisierung. Sie verändert Produktionsprozesse, Geschäftsmodelle und Arbeitsweisen längst in nahezu allen Branchen in allen Sektoren. Welche Bedeutung die digitale Transformation für die wirtschaftliche Wertschöpfung hat, erläuterte Dr. Oke Röhe von der Deutschen Bundesbank Zentrale in Frankfurt am Main. Er präsentierte mehrere Szenarien mit Verweis auf unterschiedliche Quellen.

 

Dr. Oke Röhe; Ökonom im Bereich Zentrale, Internationale und europäische Wirtschaft; Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main

 

Dass Digitalisierung nicht nur ein theoretisches Thema ist, erlebt das IWT auch in seiner täglichen Arbeit. Als INQA-Beratungsstelle begleitet das Institut kleine und mittlere Unternehmen in Thüringen im Rahmen des von EU und Bund geförderten Programms INQA-Coaching. Praxisbeispiele aus Industrie, Handwerk und Dienstleistungswirtschaft zeigen, wie Unternehmen digitale Prozesse einführen und ihre Organisation weiterentwickeln.

 

Vom Zahlenwerk in die Werkhalle

Das Thema „Wertschöpfung“ wurde nicht nur diskutiert, sondern auch unmittelbar erlebbar gemacht. Die N3 Engine Overhaul Services GmbH & Co. KG am Erfurter Kreuz öffnete anlässlich des Jubiläums ihre Türen für eine Werksbesichtigung. Das Unternehmen ist auf die Wartung und Überholung von Flugzeugtriebwerken spezialisiert und steht beispielhaft für industrielle Wertschöpfung in Thüringen. Lieferketten und Wertschöpfungsketten sind hier ein wichtiges Thema, das neben vielen weiteren angesprochen wurde.

 

Werksbesichtigung bei N3 Engine Overhaul Services GmbH & Co. KG am Erfurter Kreuz

 

Damit schlug das Fachkolloquium einen Bogen von wirtschaftlichen Kennzahlen und wissenschaftlichen Analysen bis hin zur betrieblichen Praxis und macht deutlich: Wo Wertschöpfung entsteht, lässt sich nicht allein in Statistiken beantworten – sondern auch dort, wo Menschen, Ideen, Investitionen und Technologien zusammenkommen.

 

Werksbesichtigung bei N3 Engine Overhaul Services GmbH & Co. KG am Erfurter Kreuz

 

 

 

Isabel Halbauer

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

T 0361 6759-153

presse@vwt.de

VWT

Lossiusstraße 1
99094 Erfurt

Kontakt

E-Mail: info@vwt.de
Tel.: 0361 6759-0
Fax: 0361 6759-222

Mo-Do: 8-17 Uhr, Fr: 8-15 Uhr

Social Media
Top lockenvelopephone-handsetmagnifiercrosscross-circle