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Verbandsmitteilungen

Neue Reserve-Regelungen fordern auch die Personalarbeit

Welche Folgen hat das geplante Gesetz zur Stärkung der Reserve für Unternehmen und ihre Beschäftigten? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein Fachforum des Arbeitskreises „Wirtschaft, Verteidigung und Sicherheit“ des Verbandes der Wirtschaft Thüringens (VWT) am 23. September 2026 in Erfurt. Zahlreiche Vertreter aus Mitgliedsunternehmen und -verbänden nutzten die Veranstaltung, um sich über die neuen Anforderungen und mögliche Auswirkungen auf die betriebliche Personalarbeit zu informieren.

Moderiert von Kristin Florschütz aus dem Geschäftsbereich Wirtschaft, Verteidigung und Sicherheit des VWT wurde das Thema aus drei unterschiedlichen Perspektiven betrachtet: aus Sicht der Reservisten, der Wirtschaft und der Bundeswehr.

Den Auftakt machte Christian Fromm, Oberstleutnant der Reserve und Landesgeschäftsführer des Reservistenverbandes Thüringen. Er erläuterte am Vormittag den „Blickwinkel des Reservisten“. Anschließend beleuchtete VWT-Rechtsanwältin Uta Hofmann die arbeitsrechtlichen und betrieblichen Fragestellungen aus Sicht der Wirtschaft. Am Nachmittag stellte Alexander Wald vom Kompetenzzentrum Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr das neue Gesetz unter der Überschrift „Von der doppelten Freiwilligkeit zur Pflicht“ vor.

Arbeitgeber werden nicht gefragt – aber angehört

Deutlich wurde: Mit den neuen Regelungen gewinnt der Reservedienst auch für Arbeitgeber an Verbindlichkeit. Reservisten können künftig verpflichtend herangezogen werden – grundsätzlich auch für Einsätze in NATO-Staaten. Gleichzeitig sollen Zurückstellungen möglich bleiben, wenn betriebliche Gründe gegen eine Heranziehung sprechen.

Nach Darstellung von Alexander Wald erfolgt die Einberufung in einem geregelten Verfahren über einen sogenannten Heranziehungsbescheid an den jeweiligen Reservisten. Unternehmen selbst entscheiden damit nicht darüber, ob Beschäftigte Reservedienst leisten müssen. Ihre betrieblichen Belange können jedoch berücksichtigt werden.

 

Alexander Wald vom Kompetenzzentrum Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr

 

Für Personalabteilungen bedeutet das, sich frühzeitig mit möglichen Ausfallrisiken auseinanderzusetzen. Unter dem Stichwort „HR kriegstüchtig machen“ zeigte Wald auf, wie Unternehmen strategische Vorsorge treffen können. Ein systematisches „Skill Mapping“ könne beispielsweise helfen, Schlüsselqualifikationen und potenzielle personelle Engpässe frühzeitig zu erkennen.

Ersatzkräfte können Fachkräfte nicht einfach ersetzen

Eine Entlastung für Unternehmen sollen fachliche Ersatzkräfte bieten, die für maximal 30 Wehrdiensttage zur Verfügung gestellt werden können. Doch gerade an diesem Punkt zeige sich, wie schwierig die praktische Umsetzung sein könne.

„Hier wird besonders deutlich, dass die Bundeswehr Wirtschaft nicht versteht“, sagte Wald mit Blick auf die Vorstellung, langfristig eingearbeitete und hochqualifizierte Beschäftigte kurzfristig durch gleichwertige Fachkräfte ersetzen zu können.

Umso wichtiger sei es, Resilienz nicht nur innerhalb des eigenen Unternehmens zu organisieren. Wald appellierte deshalb an die Unternehmen, frühzeitig über Kooperationen nachzudenken: „Denken Sie heute schon über branchenübergreifende Allianzen nach. Helfen Sie sich gegenseitig.“

Die Bundeswehr arbeitet derzeit in einem Pilotprojekt an einem Verfahren, von dem künftig beide Seiten profitieren sollen – Bundeswehr und Wirtschaft. Ein weiterer größerer Workshop dazu ist für Oktober vorgesehen.

Reservisten als Kompetenzbrücke

Im Fachforum wurden Reservisten jedoch nicht ausschließlich als mögliches Ausfallrisiko für Betriebe betrachtet. Vielmehr können sie auch eine wichtige Kompetenzbrücke zwischen Bundeswehr und Wirtschaft bilden. Erfahrungen, Führungswissen und Fähigkeiten aus beiden Bereichen können sich gegenseitig ergänzen.

Eine zentrale Botschaft des Tages lautete deshalb: Ohne Sicherheit gibt es keine wirtschaftliche Stabilität. Strategische Resilienz beginnt damit auch in der Personalarbeit.

Das Fachforum stieß bei den Mitgliedsunternehmen und -verbänden auf großes Interesse. In der abschließenden Diskussion nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, konkrete Fragen aus der betrieblichen Praxis mit den Referenten zu erörtern und sich offen über die Herausforderungen der neuen Reserve-Regelungen auszutauschen.

 

 

Dr. Ute Zacharias
Verbandssprecherin
T 0361 6759-153
M 0173 8899743

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